Im Abendlicht passieren wir die drei Brücken über den Firth of Forth und erreichen Port Edgar. 

Beeindruckend ist die Eisenbahnbrücke von 1890. Noch heute passieren regelmäßigem die Züge über die geniale Stahlkonstruktion . Erst 70 Jahre später wurde die Straßenbrücke erichtet und 2017 kam schließlich die elegante Schrägseilbrüccke für die Autobahn M9 dazu. Jede der Brücken war zu ihrer Zeit eine Ingenieurleistung der Superlative. 

Ebenfalls eine herrauragende Ingenieureistung, allerdings schon 1790, war der Bau eines 60 Km langen Kanals zwischen dem Firth of Forth bei Edinburg und dem Clyde in Glasgow durch John Smaton und Robert Witworth. Dieser Kanal hatte 38 Schleusen, 38 bewegliche Brücken und 25 Äquadukte und konnte seinerzeit von den größten seegehenden Schiffen befahren werden. Der Niedergang des Kanalverkehrs kam in Folge der Eisenbahn und dann durch das Automobil. Der Forth and Clyde Canal wurde obsolet, 1960 geschlossen und verfiel. In den 1990 Jahren kam die Idee auf, den Kanal für die Freizeitschiffahrt wieder zu eröffnen, das 'Millenium Link' Projekt war geboren. Brücken mußten repariert oder neu errichtet werden, Schleusen restauriert und sogar einige Km samt Schleusen neu gebaut werden, dort, wo der alte Kanal zugeschüttet und mit Gebäuden bebaut worden war. 2001 eröffnete Prince Charles die wiederhergestellte Verbindung zwischen Forth und Clyde. Diesen Kanal wollten wir mit Troll unbedingt befahren.

Zu unserer großen Enttäuschung war er bei unserer Ankunft "vorübergehend" geschlossen, da die Bonnybridge Hebebrücke defekt war. Man versuche Geldgeber zu finden um Pläne für eine Reparatur oder einen Ersatzbau zu machen. Diese Information von Scotish Canals war in deren Internetseiten wohlversteckt. Das klang nicht so, als ob hier vor 2020 etwas zu erwarten wäre. Daher Planänderung: Wir machen statt der geplanten 30 sm über den Forth and Clyde Kanal einen kleinen Umweg von 350 sm und etwa 2 Wochen Dauer, um über denCaledonian Canal ab Inverness, über Loch Ness zu Englands Westküste zu nehmen. Das ist ungefähr so, als ob man mit den Boot nach Köln möchte und einen unbedeutenden Umweg über Bremen macht   

In Falkirk zweigt der mit 1,20 m Wassertiefe etwas flachere Union Canal vom Forth and Clyde Kanal ab, der bis ins Herz von Edinburgh geht. Ein neues, spektakuläres Schiffshebewerk, das Falkirk Wheel hebt die Schiffe in 5 Minuten um 25 m, wo sie früher einen ganzen Tag für die Schleusentreppe benötigten. Auf dem Kanal fahren heute die typischen Narrowboats, die man mieten kann. Wenn schon nicht vom eigenen Boot aus, dann doch zumindest mit den Klapprädern, wollen wir uns die Kanäle einmal ansehen. Was wäre, wenn dieses Geheimnis mit großen Plakaten beworben würde, und keiner fährt hin? 

Da zwar Sonne, aber Westwind der Stärke 7-8 Bft angesagt ist, beschließen wir gegen den Wind mit dem Bus nach Falkirk zu fahren und uns von dort entlang des Kanals auf dem Treidelpfad mit den Birdys vor dem Wind zurückblasen zu lassen. Es zeigt sich, dass ein E-Bike auch nicht bequemer gewesen wäre! Wir brauchen kaum zu treten.

 

In Edinburgh endet der Kanal in einem Neubaugebiet, durch das die Industriebrache wiederbelebt worden ist. Uns gefällt dieser Ort, an den sich sonst sicher kein Tourist verirrt.

Die Touris sind alle auf der Burg und der Royal Mile. Besonders fallen uns die vielen Japaner auf, einige davon sogar in traditionellen Kilts! Wir sind drauf und dran uns auch neu einzukleiden, Aber Rock bei dem Wetter? 

Wir wandern auf den Spuren von Detecive Sergeant John Rebus durch Edinburgh. Wie schreibt Ian Ranking in seinem ersten Roman "Verborgene Muster" (Knots and Crosses) so treffend; "Um die Sache abzurunden, fing es anzu regnen, dicke Kleckse peitschenden Wassers ergriffen Nacken und Gesicht, suppten in die Schuhe ... In 24 Stunden kann viel geschehen". Ich liebe diesen trockenen, englischen Humor. Nur gut, dass das noch weitere Kriminalromane von ihm folgten.

Bei uns hat es nur wie aus Blumenspritzen gefisselt, eine Sorte Regen, gegen die auch ein Schirm machtlos ist. Die Schotten scheinen das nicht zu bemerken und sitzen am St Andrews Square im Liegestuhl und schauen sich im Open Air Kino "Casablanca" mit Humphrey Bogart an. As Time Goes by... Müde bringt uns der Lothian Country Bus wieder nach Queensferry zur Port Edgar Marina. Im Firth of Forth scheint dies der einzige Hafen zu sein, in dem man nicht trocken fällt und am Steg liegen kann. Im  Hafen des Queensferry Boat Club liegt man zwar schöner gelegen ...

... aber eben nur bei Hochwasser. 6 Stunden später sieht die Sache dann etwas anders aus.