Seit 104 Jahren findet auf dem Rhein diese Traditionsregatta statt. Ein besonderer Anlass kam hinzu: Der Club für Wassersport Porz e.V. feierte 100-jähriges Bestehen. Die Strecke führte dieses Jahr von Oberwinter über Bonn-Mondorf, Köln-Porz, Leverkusen-Hitdorf, Düsseldorf nach Duisburg, zusammen 141 Km Segeln auf dem Strom. 63 Boote waren gemeldet.
Besonders erfreulich war, dass eine eigene Piraten-Klasse mit 7 Teilnehmern am Start war, darunter die Jugendboote TIMPE-TE (G3687) und PIRATOS ( G4137) aus dem Düsseldorfer-Segler Verein. Auf TIMPE-TE waren die Zwillinge Ida und Felix Sander mit 13 Jahren an der Vorschot die jüngsten Teilnehmer der Rheinwoche und Maja Sander mit 15 Jahren auf PIRATOS die jüngste Steuerfrau mit Barbara als erfahrene Steuerberaterin an der Vorschot.

Jede Rheinwoche ist nicht nur seglerisch eine Herausforderung, sondern verlangt auch nach ausgeklügelter Landlogistik. Bereits am Mittwoch wurden die beiden Piraten auf ihre Hänger verladen. PIRATOS wurde am Donnerstag über die Straße nach Oberwinter gebracht. Am Freitag folgte TIMPE-TE. Derweil gelangte TROLL als „Hotelschiff“ auf dem Wasserwege in den Yachthafen von Porz, wo man sich zum Übernachten wieder traf. Mit sechs Personen war das „Hotel“ dann auch leicht überbelegt, so dass Maja es vorzog, auf der MS EUREKA, dem Begleitschiff der Regatta, zu schlafen. Am Samstag 8:00 Uhr ging es dann mit dem Auto wieder nach Oberwinter, wo einer der Hänger darauf wartete, wieder in den DSV gebracht zu werden. Das Fahrzeug blieb in Düsseldorf und der Fahrer gelangte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Porz. Auch die anderen Teilnehmer waren mit unterstützender Landcrew und vielfach mit Wohnmobilen angereist.
Oberwinter liegt im Rheintal, so dass es dort nur zwei Windwichtungen gibt: Bergwind und Talwind. Wenn letzterer so schwach ist, dass er sich mit der Strömung aufhebt, ist an Segeln nicht zu denken. Talwind! So wurde die erste Etappe abgesagt und Schleppzüge durch die begleitenden Motorbote organisiert. Zumindest landschaftlich ein voller Erfolg, denn es ging vorbei am malerischen Drachenfels und das bei bestem Sonnenwetter. Ab Mondorf konnte dann bei schwachem Wind gesegelt werden. Bei der Siegerehrung am Abend ging es heiß her, denn jeder Preisträger wurde mit einem Inferno aus zwei Deko-Flammenwerfern empfangen. Dafür hatte man sich das Mikrofon gespart. Aber die Teilnehmer wussten ja ohnehin, wer vorne gelegen hatte, denn das stand ja in MANAGE2SAIL.

Sonntag, im wörtlichen Sinne, bei ausreichendem Wind stand der dritten Etappe durch Köln, vorbei am Dom, nichts mehr im Wege. Traumsegeln vor einer Traumkulisse. Dann kam die längste Etappe von Hitdorf bis zum Düsseldorfer Yachtclub: 42 km, vorbei an Industrieanlagen in Leverkusen durch die 180° Rheinschleife an der Lausward und vorbei an der Düsseldorfer Stadtfront, wo am Japantag tausende, potentielle Zuschauer flanierten.
Nach einer Startverschiebung kam am Montag endlich etwas Wind auf, und es konnte zur 5. Etappe nach Duisburg gestartet werden. Dies erfordert bei schwacher Briese und einer Strömung von 6 Km/h viel Erfahrung. Der Strom alleine bringt ein Boot in etwa 5 Minuten von der Hafenausfahrt die 500 Meter zur Startlinie, wenn man es schafft das Nehr rechtzeitig zu verlassen. Dann darf man aber nicht zu schnell segeln, sonst macht man einen Frühstart und muss alle Boote seiner Klasse an sich vorbeilassen. In diesem Fall ist an eine gute Platzierung nicht mehr zu denken. TIMPE-TE, mit Ida an der Vorschot und dem rheinerfahrenen Sören an der Pinne, passierten weit vor den anderen Piraten die Startlinie und könnten diesen Vorsprung nach nervenaufreibenden Matches ins Ziel retten.

Während die Jollen in die Ruhrmündung zu einer NATO-Rampe geschickt wurden, wo sie auf ihre Trailer verladen werden konnten, hieß es die MS EUREKA und ein Autokran warteten im Hafenkanal. Dieser ist ewa 4 Kilometer lang und führt vorbei an vielen Hafenbecken zur Schleuse Meiderich, durch die man den Rhein-Herne-Kanal erreicht. Boote ohne Motor wurden von den Seglern mit Motor auf den Haken genommen. Der Hafenkanal zog sich und es er herrschte reger Schleusenverkehr! Doch wo war die MS EUREKA? Erst kurz vor der Schleuse öffnete sich der Blick in ein letztes Hafenbecken und dort lag das Begleitschiff an der hohen Kaimauer.
Für Maja war es die erste Regatta an der Pinne! Sie wurde 49-te in der Gesamtwertung. Sören wurde auf TIMPE-TE, Baujahr 1981 und so alt wie er selber, in der Gesamtwertung 13-ter und zweiter in der Piratenklasse. Alle ergebnisse findet man bei MANAGE2SAIL.

Für die Heimfahrt wurde TROLL vom „Hotelschiff“ zum "Schleppdampfer" für die zwei Piraten. Gegen Abend erreichten wir Krefeld, mit seinem sehr tiefen Hafenbecken, jedoch einer sehr trickreichen Einfahrt. Die Tonnen geben nur eine rudimentäre Vorstellung von der Lage der Sandbänke und auch die Skizze auf der Website des CYC hilft nur bedingt. Die Lotung mit dem Kiel ergab, dass man von Unterstrom in einem Winkel von 45° zum Strom auf die rote Tonne zu halten muss, nicht auf die grüne Tonne!! Dann dreht man etwa 90° nach Steuerbord und fährt an einem ausgelegten Bojenfeld für Motorbootrennen vorbei. Am folgenden Tag in Volmerswerth angekommen, erwies sich die Einfahrt zu unserem Hafen als so flach, dass lediglich die Piraten einlaufen konnten. TROLL suchte Asyl beim YCNo in Grimmlinghausen.
Fazit: Ereignisreiche 6 Tage mit tollem Segeln auf dem Rhein, komplexer Logistik und vielen schönen Erlebnissen.
ESc
